Echinacea purpurea 'Pixie Meadowbrite'
Stellen Sie sich vor, Sie reiten durch die locker baumbestandene Savanne Nordamerikas. Auf einer grasbewachsenen Lichtung im Laubwald mit Kalkuntergrund erblicken Sie Schein-Sonnenhüte (Echinacea purpurea). Jeder Staudenfreund, der einen Funken eines Indianers in sich trägt – und das sind bekanntlich alle, die beim Jäten zwischen Rosen keinen Schmerz kennen - führt die Hand jetzt mit einer ausladenden Bewegung vom Herzen in die Weiten der Prärie.
Echinacea purpurea 'Kim's Knee High' ®
„‚Pixie Meadowbrite’ grüßt seinen Freund ‚Kim’s Knee High’“ würde der Dialog im Drehbuch eines Stauden-Western hier vorsehen. Oder: „’Rubinstern’ ist gekommen, Häuptling ‚Magnus’ abzulösen“. Dazu muss man wissen, dass die kräftig karminrote Schein-Sonnenhutsorte ‚Rubinstern’ mit den waagerecht stehenden Zungenblüten eine Verbesserung der bereits exzellenten Sorte ‚Magnus’ sein soll. Letztere war von der amerikanischen Stauden-Vereinigung (Perennial Plant Association) 1998 zur Staude des Jahres gewählt worden. Mit ihr hatte der schwedische Züchter und Staudengärtner Magnus Nilsson sein Selektionsziel waagerecht abstehender Zungenblüten und eindrucksvoller Blüten mit einem Durchmesser von 15-20 Zentimeter erreicht.
Echinacea purpurea 'Rubinstern'
Was die Blütenfarbe betrifft, sind „Indianerköpfe“, wie heimische Indianerstämme Echinaceen nennen, eigentlich echte „Rothäute“. Ihre Strahlenblüten leuchten in Schattierungen von Purpur bis Karmesinrot. Aber auch „Bleichgesichter“ kommen in der Natur vor. Echinacea purpurea ‚Alba’ ist in ihrem weißen Blütenkleid mit grünlichem Schimmer ein so faszinierendes Beispiel, dass Hella Kreiselmeyer sie in ihrem weiß-silber schimmernden Beet zur Hauptdarstellerin gemacht hat. „Der Schatz im Silbersee“ ist eben auch im Fall von Echinacea ein Klassiker. Silberlaubige Begleiter verleihen den stolzen Stauden aus den Grasländern Nordamerikas so etwas wie die gebührende Anerkennung.
Echinacea purpurea 'Magnus'
Ein lebendiges „Denk-mal“, hat Cassian Schmidt, Leiter des Schau- und Sichtungsgartens in Weinheim, der vielfältigen Gattung gesetzt. Wer sich einmal durch die insgesamt 600 Quadratmeter großen Präriebeete nach dem Vorbild des ursprünglichen Naturraums feuchter Hochgras-Prärien gepirscht hat, wird auch im eigenen Garten von der großen Freiheit träumen. Aber was knirscht da unter den Mokassins? Im Hermannshof hat man gute Erfahrungen mit mineralischem Gesteinssplitt als Mulchauflage gemacht und auch der Weg aus Lava hat sich bewährt. Über die rauen Kügelchen kriecht Erzfeind Schnecke nur ungern. Auf den Beeten hält die fünf bis sieben Zentimeter dicke mineralische Abdeckung aus Grus einer Körnung von 8-16 Millimeter den Boden feucht und schützt den besonders empfindlichen Wurzelhalsbereich der Schein-Sonnenhüte.
Echinacea purpurea 'Alba'
Echinacea purpurea 'Vintage Wine' ®
Echinacea purpurea 'Jade' ®
Überzeugende Wirkung mag der Hochgras-Prärie erst „bei großräumiger Verwendung“ erzielen, wie es im Informationsblatt „Präriestauden“ des Hermannshofes heißt. Aber ein Stück vom „Indian Summer“ lässt sich auch auf wenigen Quadratmetern realisieren. In einem Hausgarten begeisterte mich dieser Tage ein Dreiergespann aus früh blühendem Chinaschilf, möglicherweise ‚Kleine Fontäne’ und 60-80 Zentimeter hohe Purpur-Scheinsonnenhüte wie tief purpurrosafarbene ‚Vintage Wine’ und silberweiße ‚Jade’ mit dunkelgrün gewölbter Scheibe.
Echinacea purpurea 'Green Envy' ®
Ja selbst im Bauerngarten spielen rote Schein-Sonnenhüte zwischen Kohlköpfen und Salatregimentern gerne „Winnetou und Old Shatterhand“. In der Rolle der Apachen erlebte ich jüngst solch einen „Indianerkopf“ mit leuchtend karminrotem Federschmuck inmitten seiner ‚Squaw’, einer roten Indianernessel (Monarda x fistulosa), und blaublühender Duftnessel ‚Blue Fortune’ (Agastache rugosa). Scharfschütze Old Shatterhand, alias Lex Barker, reckte sich als alter Schafgarbenbekannter ‚Parker’ (Achillea filipendulina) in die Höhe. Fehlte nur noch das Greenhorn.
Echinacea purpurea 'Coconut Lime' ®
Das findet man jetzt unter den Neuzüchtungen, beispielsweise mit der 75 Zentimeter hohen ‚Green Envy’. Deren limonengrüne Zungenblüten färben sich zur Mitte hin rötlichbraun um einen schwarzgrünen Kegel. Die Sortenauswahl treibt es immer bunter. Durch das Einkreuzen anderer Arten jagen die unter Echinacea purpurea geführten Neukreationen in Fruchtfarben von limonengrüner ‚Coconut Lime’ über mangogelbe ‚Mango Meadowbrite’ bis zu orangefarbener ‚Sundown’ und ins lachsorange gehender ‚Sunset’ durch Prärie- und andere Gartenbeete. Mit ihren Cocktailfarben eröffnen sie ein völlig neues Gestaltungsfeld mit Einjährigen. Denkbar sind auch frische Topfarrangements auf Balkon und Terrasse. Wer es naturhafter liebt, wählt Sorten wie rost-orangerote ‚Art’s Pride’, die sich mit ihren schmalen, zurückgezogenen Zungenblüten ihren Wildcharakter bewahrt hat.
Echinacea purpurea 'Art´s Pride'
Die Orange-Gelbe Farbpalette kam übrigens durch die „Blutsbrüderschaft“ mit dem Gelben Schein-Sonnenhut (Echinacea paradoxa) zustande. Die in den Ozark Mountains im südwestlichen Missouri und nördlichen Arkansas endemische Wildart kommt mit Trockenheit besonders gut zurecht. An die sortengeschützten Neulinge (erkennbar an dem R hinter dem Sortennamen), die nicht frei vermehrt werden dürfen, gab sie auch ihren Duft weiter. Riechen Sie mal an der gelb-orangefarbenen Sippe und pomponartig vollgefülltem ‚Razzmatazz’. Gerade die gefüllten Sorten werden gerne als Vasenschmuck genommen. Gute Schnittblumen sind alle Schein-Sonnenhüte.
Echinacea purpurea 'Razzmatazz' ®
Echinaceen wird Kurzlebigkeit nachgesagt. Doch wie schnell sie in die ewigen Jagdgründe eingehen, ist eine Frage des Standorts, des Konkurrenzdrucks und der Pflanzenwahl. Meristemvermehrte Sorten gehören sicherlich nicht zu den langlebigsten Stauden. Reine Arten und samenvermehrte Sorten wie ‚Magnus’ oder ‚Rubinstern’ dagegen können locker zwölf Jahre an ihnen zusagenden Plätzen ausharren. Diese fertilen Sorten des Purpur-Schein-Sonnenhuts (Echinacea purpurea) und Wildarten (Echinacea pallida, E. paradoxa) sind auch die richtige Wahl, wenn die Schmuckwirkung über den Winter anhalten soll. Während die sterilen meristemvermehrten Hybriden keine Samen ausbilden, wodurch ihre Kegel zum Verfaulen neigen, wirken die Samenständen der Wildarten und Samensorten bis in den Februar dekorativ. Langlebiger sind Schein-Sonnenhüte allerdings, wenn man sie nicht in Samen gehen lässt.
Echinacea pallida
Sollten Purpur-Scheinsonnenhüte (Echinacea purpurea) ihre Zelte schon nach drei bis vier Jahren abbrechen, probieren Sie die Spätsommerblüher mal an einer anderen Stelle aus. Im Unterschied zu den Wildarten (E. pallida, E.paradoxa), die magere Standorte in voller Sonne bevorzugen, ist Echinacea purpurea keine Pflanze der Prärie, sondern stammt, wie eingangs erwähnt, aus lichten Laubwäldern mit frischeren Böden. Umso erstaunlicher ist ihre Anpassungsfähigkeit. Wird sie nicht von allzu konkurrenzstarken Nachbarn bedrängt, hält sie auch in sonnigen Beeten acht Jahre und mehr aus und toleriert auch mal längere Trockenheit. Kein Wunder, dass immer mehr Gartenbesitzer Feuer und Flamme für die ebenso schmuckhaften wie gesunden Schmetterlings- und Bienenmagneten sind, deren Blütenschauspiel sich von Juli bis in den Herbst oft über mehr als drei Monate erstreckt. Wäre man Indianer, müsste man sofort ein Lagerfeuer entzünden, nasses Gras auflegen und mittels Decke Rauchzeichen geben. Was würden die Stammesbrüder als brandaktuelle Neuigkeit entschlüsseln? Büffelherde gesichtet? Nein! Mit den Geschwistern der Heilpflanze Echinacea angustifolia ein Wundermittel für die Gartengestaltung entdeckt!